Die 247 Jahre alte Moschee im Herzen von Yozgat: Spuren des türkischen Barock in der Kuppel
Die im Stadtteil İstanbulluoğlu im Zentrum von Yozgat gelegene, an den Cumhuriyet-Platz angrenzende Çapanoğlu-Moschee steht als älteste und größte Gebetsstätte der Stadt seit über zwei Jahrhunderten. Das im Volksmund auch Ulu Cami oder Büyük Cami genannte Bauwerk gilt mit seiner über 15 Meter hohen Kuppel und seinen Kalemişi-Verzierungen als eines der seltenen Beispiele türkischer Barockarchitektur in Anatolien.

Die Moschee ist heute sowohl zu den Gebetszeiten als auch von historisch interessierten Besuchern gut besucht. Der Bau begann mit dem inneren Moscheeteil, den der Statthalter des Sandschak Bozok, Çapanoğlu Mustafa Bey, 1779 errichten ließ. Fünfzehn Jahre später ließ Mustafa Beys Bruder Süleyman Bey 1793-1794 den äußeren Moscheeteil hinzufügen, der dem Bauwerk seine heutige Größe verlieh.
Die Çapanoğlu waren im 18. Jahrhundert eine mächtige lokale Dynastie, die über den Sandschak Bozok herrschte. Die Familie stattete das Stadtzentrum, der damaligen Bautradition entsprechend, mit einer großen Moschee aus und erweiterte das Bauwerk über zwei Generationen hinweg; der architektonische Unterschied zwischen dem inneren und äußeren Teil der Moschee trägt bis heute die Spuren dieser beiden Bauphasen. Diese von den beiden Brüdern zu unterschiedlichen Zeiten fertiggestellten Teile wurden, obwohl sie Teil desselben Komplexes sind, jeweils als in sich geschlossene Räume konzipiert.
Spuren des türkischen Barock in der Kuppel
Der aus Hausteinmauerwerk errichtete innere Moscheeteil ist rechteckig angelegt und mit einer Kuppel von 15,15 Metern Durchmesser überwölbt. Das Bauwerk mit seinem einbalkonigen Minarett, 54 Fenstern und dem großzügigen, von hohen Mauern umgebenen Innenhof gilt als einer der bedeutenden anatolischen Vertreter der von europäischem Einfluss geprägten osmanischen Architektur jener Zeit. Im Innenraum finden sich ein aus buntgeädertem Marmor gearbeiteter Minbar, Akanthusblattmotive und geschwungene Barockverzierungen; auch die Übergangselemente zwischen Kuppel und Wänden sind mit Kalemişi-Malereien geschmückt.

Ein Mausoleum mit 18 Sarkophagen an der Ostfassade
An der Ostfassade der Moschee befindet sich ein quadratisch angelegtes Mausoleum aus weißem Hausteinmauerwerk. Darin liegen insgesamt 18 Sarkophage von Mitgliedern der Familie Çapanoğlu sowie früheren Honoratioren von Yozgat. Im Innenhof befindet sich zudem ein traditioneller Şadırvan (Waschbrunnen); dieser Bereich hat es der Moschee ermöglicht, über Jahrhunderte auch nicht-religiöse Funktionen zu erfüllen. Die schlichte Außenfassade des Mausoleums bildet einen deutlichen Kontrast zum barock reich verzierten Innenraum der Moschee.
Der 1794 fertiggestellten Form des Bauwerks wurde 1964 ein dritter Eingang hinzugefügt; so blieb die Moschee trotz der durchgeführten Instandsetzungen weitgehend in ihrem ursprünglichen Grundriss erhalten. Die Çapanoğlu-Moschee, die heute ganz oben auf der Liste der Besucher von Yozgat steht, bleibt als greifbarstes historisches Erbe der Stadt sowohl aktive Gebetsstätte als auch architektonisches Ausflugsziel.
