Ein unvollendetes Geheimnis in den Bergen von Sorgun: 3.200 Jahre alte hethitische Bildhauerwerkstätten
Im Dorf Karakız und in der Flur Kazankaya bei Sorgun sind die Spuren einer Bildhauerwerkstatt aus der hethitischen Großreichszeit erhalten geblieben. Eine unvollendete Löwenstatue im felsigen Gelände, bearbeitete Basaltblöcke und eine in den Fels gehauene Zisterne werden auf etwa 3.200 Jahre datiert.

Das Areal verfügt über keine offizielle Museumsinfrastruktur, ist aber über die Straße erreichbar. Im zu Sorgun gehörenden Dorf Karakız, etwa 15 Kilometer vom Bezirkszentrum entfernt, wurde eine felsige Fläche während der hethitischen Großreichszeit als Steinbruch und Bildhauerwerkstatt genutzt. In dem Areal rund 500 Meter nördlich des Verwaltungsgebäudes der Gemeinde Karakız befinden sich bis heute eine unvollendete Löwenstatue sowie bearbeitete und halbbearbeitete Basaltsteine an ihrem ursprünglichen Platz.

Die Spuren der Werkstatt wurden erstmals am 28. Mai 2008 von einem Team unter Leitung des britischen Archäologen Geoffrey Summers entdeckt, der seit 1993 in der großen antiken Stadt am Kerkenes-Berg Ausgrabungen leitet. Bei der Suche nach verschollenen Siedlungen in der Umgebung stieß das Team auf unvollendet zurückgelassene Statuen im Fels; der Fund brachte ans Licht, dass die Region eine bislang nie erfasste hethitische Produktionsstätte war.
Aus dem späten 2. Jahrtausend v. Chr.
Françoise Summers, Forscherin des Kerkenes-Grabungsprojekts, bewertete den Fund wie folgt: „Es wird angenommen, dass die in der Gemeinde Karakız gefundenen unvollendeten Löwenstatuen aus dem späten 2. Jahrtausend v. Chr. stammen."
Das Areal wurde 2011 ausführlich fotografisch dokumentiert; die Funde waren 2012 und 2013 Gegenstand wissenschaftlicher Veröffentlichungen und wurden am 2. Mai 2013 als Schutzgebiet eingetragen. Wissenschaftler stellten im Felsgestein auch in Form von Säulensockeln gemeißelte Skulpturen fest. Der Schutzstatus konnte das Gebiet jedoch nicht vollständig vor dem Interesse von Schatzsuchern bewahren; Medienberichten zufolge wurden einige Blöcke im Fels bei illegalen Grabungen durch den Einsatz von Dynamit beschädigt.
Eine Zisterne in Kazankaya, drei getrennte Fundorte
In der Flur Kazankaya, etwa 1 Kilometer südlich der Straße Karakız-Kadışehri, befinden sich eine 2 Meter durchmessende, in den Fels gehauene Zisterne sowie halbbearbeitete Basaltsteine. Die Überreste setzen sich neben Kazankaya auch in den Fluren Armutlu und Hapisboğazı fort; alle drei Fundorte werden als Teile derselben hethitischen Produktionsstätte betrachtet.
Es wird berichtet, dass die in der Werkstatt behauenen Steine in bedeutende Zentren jener Zeit wie Hattuscha und Alacahöyük transportiert wurden. Dass die Entdeckung im Rahmen einer Geländebegehung rund um Kerkenes gemacht wurde, lenkt zudem die Aufmerksamkeit auf die Produktions- und Transportverbindung zwischen diesen drei Zentren.
In der Region gibt es weder ein Besucherzentrum noch Informationstafeln oder einen Eintrittspreis. Von der Straße, die vom Bezirkszentrum Sorgun zum Dorf Karakız führt, gelangt man anhand des Gemeindegebäudes und der Straße Karakız-Kadışehri als Orientierungspunkte zum felsigen Areal. Dass die Schutzinfrastruktur trotz des Schutzstatus begrenzt bleibt, mahnt geschichtsinteressierte Besucher der Region zur Vorsicht. Das in Gehweite liegende Felsgelände bleibt für alle, die abseits des Trubels einen ruhigen Geschichts- und Naturausflug suchen, einer der weniger bekannten Orte in Yozgat.
